Imbiss eröffnen — das Wichtigste auf einen Blick: Ein Imbiss lässt sich mit ca. 5.000–30.000 € Startkapital eröffnen, je nach Standort und Ausstattung. Pflicht sind: Gewerbeanmeldung, Reisegewerbekarte (bei Marktständen), Gesundheitszeugnis, HACCP-Konzept und Lebensmittelhygieneschulung nach § 43 IfSG. Eine Gaststättenkonzession brauchst du nur, wenn du Alkohol ausschenkst oder größere Sitzflächen anbietest (je nach Bundesland).
Ein Imbiss ist für viele der schnellste Weg in die Selbstständigkeit: geringe Einstiegskosten, klares Konzept, direkter Kundenkontakt. Doch zwischen der Idee und dem ersten verkauften Döner liegen Behördengänge, Kostenkalkulationen und Hygienevorschriften. Dieser Artikel führt dich durch alles Wichtige — von den realistischen Kosten über die nötigen Genehmigungen bis zur Schritt-für-Schritt-Checkliste. Ohne Schönfärberei, dafür mit klaren Zahlen.
Kann jeder einen Imbiss eröffnen? (Voraussetzungen)
Ja, grundsätzlich kann jeder einen Imbiss eröffnen — eine spezielle Ausbildung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Wer Lebensmittel verkauft, muss aber bestimmte Pflicht-Voraussetzungen erfüllen.
Pflicht für jeden Imbiss:
- Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt (ca. 20–60 €)
- Gesundheitszeugnis (§ 43 IfSG) für dich und alle Mitarbeiter, die Lebensmittel berühren
- Lebensmittelhygieneschulung (z. B. beim Gesundheitsamt oder der IHK)
- HACCP-Konzept — schriftlicher Hygieneplan (Pflicht seit EU-VO 852/2004)
- Betriebsanmeldung beim Veterinäramt — für alle gewerblichen Lebensmittelbetriebe
Nur bei Alkohol oder großer Sitzfläche:
- Gaststättenkonzession (GastG) — die Regelung ist je nach Bundesland unterschiedlich
Bei Marktständen oder Foodtruck:
- Reisegewerbekarte (§ 55 GewO) statt der normalen Gewerbeanmeldung
Welche Rechtsform passt zu deinem Imbiss?
Vor der Gewerbeanmeldung solltest du dich für eine Rechtsform entscheiden. Für die meisten Imbiss-Gründer kommen drei Varianten infrage:
- Einzelunternehmen — der schnellste und günstigste Weg. Kein Stammkapital, einfache Buchführung per Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Du haftest allerdings mit deinem Privatvermögen.
- GbR — sinnvoll, wenn ihr zu zweit oder mehrt gründet. Ebenfalls unkompliziert, aber alle Gesellschafter haften persönlich.
- UG oder GmbH — beschränkt die Haftung auf das Betriebsvermögen. Dafür fallen Notarkosten, Stammkapital (bei der GmbH 25.000 €, davon 12.500 € einzuzahlen) und eine aufwendigere Buchführung an.
Für den klassischen Ein-Personen-Imbiss ist das Einzelunternehmen der Regelfall. Prüfe zusätzlich die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG): Bleibst du im Vorjahr unter 25.000 € Umsatz, kannst du dir die Umsatzsteuer sparen — was bei einem gerade startenden Betrieb den Papierkram spürbar reduziert.
Was kostet ein Imbiss? Startkapital realistisch kalkuliert
Die häufigste Frage vor der Gründung: Wie viel Geld braucht man für einen Imbiss? Die Antwort hängt stark vom Konzept ab. Diese drei Szenarien geben eine realistische Orientierung:
| Posten | Mini-Imbiss (Marktstand) | Standard-Imbiss (Ladenlokal) | Vollausstattung (Döner/Burger) |
|---|---|---|---|
| Einrichtung & Geräte | 3.000–8.000 € | 10.000–25.000 € | 20.000–50.000 € |
| Umbau/Renovierung | 0 € | 5.000–20.000 € | 15.000–40.000 € |
| Kaution Mietlokal | 0 € | 3.000–6.000 € | 5.000–10.000 € |
| Gewerbeanmeldung/Behörden | 100–300 € | 200–500 € | 300–800 € |
| Erstausstattung Lebensmittel | 500–2.000 € | 2.000–5.000 € | 3.000–8.000 € |
| Marketing/Webseite | 0–500 € | 500–2.000 € | 1.000–5.000 € |
| Gesamt (ca.) | 5.000–15.000 € | 20.000–60.000 € | 45.000–115.000 € |
Plane immer einen Puffer von 20–30 % für unerwartete Kosten ein — eine defekte Kühlung oder eine behördliche Auflage kommen selten zum passenden Zeitpunkt. Für die Finanzierung gibt es Förderungen: den KfW-Gründerkredit, die BAFA-Beratungsförderung sowie regionale Wirtschaftsförderungen.
Wie viel Gewinn macht ein Imbiss? (Realistischer Blick)
Hier hilft nur Ehrlichkeit. Ein inhabergeführter Imbiss im Vollbetrieb bewegt sich typischerweise in diesem Rahmen:
- Monatsumsatz: 8.000–25.000 € (je nach Standort, Öffnungszeiten, Konzept)
- Wareneinsatz: 25–35 % des Umsatzes
- Personalkosten: 20–30 % (bei Mitarbeitern; Mindestlohn 2026: 13,90 €/h)
- Miete + Nebenkosten: 10–15 %
- Verbleibender Gewinn vor Steuern: 10–25 %
Bei 15.000 € Monatsumsatz bleiben damit rund 1.500–3.750 € vor Steuern. Der ehrliche Zusatz: In den ersten zwölf Monaten arbeiten die meisten Imbiss-Betreiber 60+ Stunden pro Woche und erzielen — auf die eigenen Stunden gerechnet — oft nur ein Einkommen auf Mindestlohn-Niveau oder darunter. Wer profitabel werden will, braucht einen klaren USP (Qualität, Standort oder Nische) und digitale Sichtbarkeit vom ersten Tag an.
Schritt-für-Schritt — Imbiss eröffnen (9 Schritte)
☐ Schritt 1: Konzept und Nische definieren — Was verkaufst du? Döner, Burger, Asia, Veggie? Was ist dein USP gegenüber dem Konkurrenten 500 m weiter? ☐ Schritt 2: Standortanalyse — Fußgängerfrequenz, Konkurrenzumfeld, Mietpreis. Faustformel: Miete maximal 8–10 % des geplanten Monatsumsatzes. ☐ Schritt 3: Businessplan + Finanzierung — auch für Kleingründer sinnvoll, für Bankkredite und Förderanträge Pflicht. ☐ Schritt 4: Gewerbeanmeldung — beim Gewerbeamt am Betriebsstandort. Kosten: ca. 20–60 €. ☐ Schritt 5: Gesundheitszeugnis + Schulung — beim Gesundheitsamt, dauert 1–3 Wochen. Pflicht für alle lebensmittelberührenden Personen. ☐ Schritt 6: Betriebsstätte beim Veterinäramt anmelden — spätestens vor dem ersten Betriebstag. ☐ Schritt 7: HACCP-Konzept erstellen — schriftlicher Hygieneplan. Vorlagen gibt es beim DEHOGA oder der IHK. ☐ Schritt 8: Ausstattung besorgen + Lieferanten sichern — Geräte, Erstbestellung, Verpackung, Kassensystem. ☐ Schritt 9: Online-Sichtbarkeit aufbauen — Google-Unternehmensprofil, eigene Website oder Online-Bestellsystem, Social Media.
Welche Genehmigungen brauchst du genau?
Je nach Imbiss-Typ unterscheiden sich die Pflichten. Diese Übersicht zeigt, was wann nötig ist:
| Imbiss-Typ | Gewerbeanmeldung | Gesundheitszeugnis | Veterinäramt | Gaststättenkonzession |
|---|---|---|---|---|
| Imbissstand (ohne Alkohol) | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht | ❌ nicht nötig |
| Imbiss mit Sitzplätzen + Alkohol | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht |
| Foodtruck / Marktstand | Reisegewerbekarte | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht | ❌ meist nicht nötig |
| Kiosk mit Tabak/Alkohol | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht | ✅ Pflicht | Je nach Bundesland |
Achtung bei der Gaststättenkonzession: Die Bundesländer regeln das unterschiedlich. Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen sind strenger, Berlin und Hamburg liberaler. Frag im Zweifel immer beim lokalen Ordnungsamt nach, bevor du dich festlegst.
Den richtigen Standort finden — der wichtigste Erfolgsfaktor
Beim Imbiss entscheidet der Standort über Erfolg oder Misserfolg wie bei kaum einem anderen Gastro-Konzept. Ein guter Döner an der falschen Ecke bleibt leer. Diese Punkte solltest du vor der Unterschrift prüfen:
- Fußgängerfrequenz — beobachte den Standort zu verschiedenen Tageszeiten selbst. Wie viele Menschen laufen mittags und abends vorbei? Zähl es, statt es zu schätzen.
- Sichtbarkeit — ist der Imbiss von Weitem erkennbar? Ecklagen und Standorte an Kreuzungen ziehen deutlich mehr Laufkundschaft.
- Umfeld und Zielgruppe — Büros bringen Mittagsgeschäft, Wohngebiete das Abendgeschäft, Bahnhöfe und Unis konstante Frequenz.
- Konkurrenz — drei Döner-Läden in einer Straße bedeuten harten Preiskampf. Eine Nische oder ein anderes Konzept schlägt den direkten Wettbewerb.
- Mietvertrag-Fallen — achte auf Laufzeit, Konkurrenzschutz und ob eine gastronomische Nutzung sowie ein möglicher Außenbereich baurechtlich überhaupt genehmigt sind.
Die Faustformel bleibt: Die Miete sollte 8–10 % des realistisch geplanten Monatsumsatzes nicht überschreiten. Alles darüber frisst die Marge auf, bevor der erste Gewinn entsteht.
Das Kassensystem beim Imbiss — was du von Anfang an richtig machen solltest
Wer einen Imbiss eröffnet und Barzahlungen annimmt, braucht ab dem ersten Betriebstag ein konformes Kassensystem mit TSE (§ 146a AO). Eine offene Ladenkasse ist zwar erlaubt, wird bei wachsendem Umsatz aber schnell zum Risiko — der Aufwand für das tägliche Kassenbuch steigt und mit ihm die Fehleranfälligkeit. Was hier gilt, erklärt der Beitrag zur Kassenpflicht in der Gastronomie.
Wer von Anfang an auch Online-Bestellungen annehmen will — direkt und ohne Lieferando-Provision — braucht dazu ein eigenes Bestellsystem. Gerade für Lieferimbisse zahlt sich das aus: kein Portal-Aufpreis, eigenes Branding und die vollen Kundendaten. Der Gast bestellt bequem über die Bestellseite oder eine Gäste-App auf iPhone, iPad und Android; im Betrieb läuft die Kasse auf Windows. Welche Bestellsystem für deinen Imbiss-Lösung zu welcher Betriebsgröße passt, zeigt der verlinkte Überblick.
Die 5 häufigsten Fehler beim Imbiss eröffnen
- Standort nach Miete statt nach Frequenz gewählt — die günstigste Lage ist selten die profitabelste. Ein paar hundert Euro mehr Miete an einem Top-Standort rechnen sich schneller als ein leerer Laden in der Seitenstraße.
- Nebenkosten unterschätzt — Strom für Kühlung und Fritteusen, Müllentsorgung, Versicherungen und Wartung summieren sich. Wer nur mit Miete und Wareneinsatz plant, verkalkuliert sich.
- Kein klarer USP — „noch ein Döner" reicht nicht. Ohne erkennbaren Grund, warum Gäste zu dir statt zur Konkurrenz kommen, bleibt der Umsatz aus.
- Personalkosten zu spät bedacht — schon eine Aushilfe kostet bei 13,90 € Mindestlohn plus Lohnnebenkosten deutlich mehr, als viele Gründer einplanen. Kalkuliere ehrlich, ab wann du Hilfe brauchst.
- Digitale Sichtbarkeit vergessen — ohne Google-Unternehmensprofil und Online-Bestellmöglichkeit finden dich viele Gäste gar nicht erst. Der Aufbau gehört an den Anfang, nicht ans Ende der To-do-Liste.
Häufige Fragen zum Imbiss eröffnen
Wie viel Startkapital brauche ich für einen Imbiss?
Für einen Mini-Imbiss oder Marktstand reichen 5.000–15.000 €. Ein Ladenlokal mit eigener Küche kostet 20.000–60.000 € Startkapital. Vollausgestattete Döner- oder Burger-Betriebe liegen bei 45.000–115.000 €. Faustregel: Plane immer 20–30 % Puffer für unerwartete Kosten ein.
Welche Ausbildung brauche ich, um einen Imbiss zu eröffnen?
Keine spezielle Ausbildung ist gesetzlich vorgeschrieben. Pflicht ist jedoch ein gültiges Gesundheitszeugnis (§ 43 IfSG) und eine Lebensmittelhygieneschulung. Diese Schulung dauert einen halben Tag und kann beim Gesundheitsamt, der IHK oder privaten Anbietern absolviert werden.
Wie lange dauert die Anmeldung eines Imbisses?
Gewerbeanmeldung: 1–3 Werktage. Gesundheitszeugnis: 1–3 Wochen (Termin beim Gesundheitsamt). Veterinäramt-Anmeldung: wenige Tage. Gaststättenkonzession (falls nötig): 4–12 Wochen. Plane insgesamt 2–3 Monate von der Entscheidung bis zum Eröffnungstag — mehr, wenn Umbauarbeiten nötig sind.
Muss ich ein HACCP-Konzept für meinen Imbiss haben?
Ja, HACCP ist Pflicht für jeden gewerblichen Lebensmittelbetrieb (EU-VO 852/2004, § 4 LMHV). Das HACCP-Konzept dokumentiert, wie du Lebensmittelsicherheit sicherstellst — von der Lagerung bis zum Verkauf. Einfache Vorlagen für Imbisse gibt es beim DEHOGA oder der IHK, meist kostenlos.
Brauche ich für meinen Imbiss eine Gaststättenkonzession?
Nicht immer. Eine Gaststättenkonzession (nach GastG) brauchst du in den meisten Bundesländern nur, wenn du Alkohol ausschenken willst oder eine größere Sitzfläche betreibst. Für einen reinen Imbiss ohne Alkohol reicht meist die Gewerbeanmeldung — prüfe aber die Regelung deines Bundeslandes beim Ordnungsamt.
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