Restaurant eröffnen 2026: Recht, Kosten & Genehmigungen

Von · · 10 Min. Lesezeit · Gründung

Wichtiger rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel gibt eine strukturierte Orientierung für die Restaurantgründung in Deutschland. Die tatsächliche Umsetzung…

Intro: Warum 2026 ein besonderes Jahr ist, um ein Restaurant zu eröffnen

Stell dir vor, du stehst am Sonntagmorgen in einem leeren Ladenlokal in deiner Wunschlage. Der Makler hat dir die Schlüssel überreicht, der Pachtvertrag ist unterschrieben, die ersten Handwerker kommen am Montag. In zwölf Wochen soll hier dein Restaurant eröffnen. Was jetzt folgt, entscheidet darüber, ob aus deinem Traum ein tragfähiger Betrieb wird oder ob du in achtzehn Monaten zu den 2.314 Gastro-Insolvenzen gehörst, die laut Destatis allein in den ersten elf Monaten 2025 gemeldet wurden — ein Plus von 25,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wir wollen dir diese Zahl nicht als Abschreckung an den Anfang stellen, sondern als Ehrlichkeit. Gründen im Gastgewerbe ist 2026 schwerer, als es in den 2010er-Jahren war. Gleichzeitig haben laut Destatis zwischen Januar und November 2025 über 33.553 Menschen in Deutschland ein Gewerbe im Gastgewerbe angemeldet — ein Plus von 4,9 Prozent. Die Branche lebt, gründet, experimentiert — und sie scheitert häufiger als früher.

Dieser Guide ist der zentrale Einstieg in unser Cluster „Gründung". Er bündelt, was du aus gesetzlicher Sicht erledigen musst, welche Genehmigungen wo beantragt werden, welche Bundesländer welche Besonderheiten haben, mit welchen Kosten du realistisch rechnen solltest und wie die zwölf Schritte einer Gründung chronologisch ablaufen. Wir schreiben dies aus der Perspektive eines Technologie-Anbieters, der seit Jahren mit Gründer:innen arbeitet — warum wir das tun, erfährst du auf unserer Seite Über uns.

Bevor wir in die Details gehen, die wichtigste Botschaft dieses Artikels: Ein Restaurant zu eröffnen ist in Deutschland kein Formblatt-Prozess. Es ist ein Zusammenspiel aus Bundesrecht (GewO, IfSG, LFGB, UStG), Landesrecht (jedes Bundesland hat ein eigenes Gaststättengesetz) und Kommunalrecht (Bauamt, Ordnungsamt, Gesundheitsamt). Wer das unterschätzt, gerät in vermeidbare Zeit- und Kostenfallen.

Das Wichtigste auf einen Blick Das Wichtigste in sechs Punkten

  • Bundeseinheitliche Pflichten: Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO, Gesundheitszeugnis nach § 43 IfSG, Betriebsanzeige nach § 42 LFGB, IHK-Pflichtmitgliedschaft nach § 2 IHK-G, Pflichtversicherung bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN).
  • Landesrecht ist Pflicht-Recherche: Gaststättenrecht ist seit 2006 Ländersache. Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, NRW und alle übrigen Länder haben eigene Gaststättengesetze mit unterschiedlichen Erlaubnisanforderungen. Es gibt keinen deutschlandweiten Einheitsweg.
  • Startkapital-Range: Je nach Konzept zwischen rund 50.000 € (kleines Bistro/Café) und 400.000 € und mehr (Fine Dining). Das sind Orientierungswerte aus DEHOGA-Gründungsleitfäden, keine Garantien.
  • Marktlage 2025/2026: Laut Destatis befindet sich das Gastgewerbe im sechsten Verlustjahr in Folge (−2,1 % Umsatz real 2025). Personalkosten liegen laut Destatis in Q4/2025 rund 39,6 % über dem Vergleichswert Q4/2019, Gastronomie-Preise stiegen zwischen Januar 2022 und Januar 2026 um 28,2 %.
  • Unternehmensform ist eine individuelle Entscheidung: Einzelunternehmen, GbR, UG, GmbH — die steuerlichen, haftungsrechtlichen und bilanziellen Folgen unterscheiden sich grundlegend. Wir stellen sie neutral dar und empfehlen ausdrücklich keine Form — das gehört in ein Gespräch mit Steuerberater:in und Fachanwalt/Fachanwältin.
  • Unser Rat: Starte den Prozess mit einem IHK-Gründungsberatungs-Termin und einem Steuerberatergespräch, bevor du Verträge unterschreibst.

Inhaltsverzeichnis

  1. Gründungsrealität 2026 — fünf Zahlen, die du kennen solltest
  2. Welche Genehmigungen brauchst du bundesweit?
  3. Was kommt aus dem Landesrecht dazu?
  4. Welche Unternehmensform passt — und warum wir keine empfehlen
  5. Startkapital: Welche Range ist realistisch?
  6. Die 12-Schritte-Gründungs-Roadmap
  7. Finanzieller Impact: Beispiel-Kalkulation Pizzeria
  8. FAQ (15 Fragen)
  9. Bewertungen echter Gastronom:innen
  10. Schlusswort und nächste Schritte

1 · Gründungsrealität 2026 — fünf Zahlen, die du kennen solltest

Bevor wir in den juristischen Teil einsteigen, ordnen wir die Marktlage ein. Wer gründet, ohne die makroökonomische Situation zu kennen, kalkuliert mit Annahmen von 2018.

Stat-Callout 1: Das Gastgewerbe ist laut Destatis 2025 im sechsten Verlustjahr in Folge — real −2,1 % Umsatz gegenüber dem Vorjahr.

Stat-Callout 2: Zwischen Januar und November 2025 wurden laut Destatis 33.553 Gewerbe im Gastgewerbe angemeldet (+4,9 % gegenüber dem Vorjahr). Gründungsdynamik ist ungebrochen.

Stat-Callout 3: Im selben Zeitraum registrierte Destatis 2.314 Gastgewerbe-Insolvenzen — ein Plus von 25,8 %. Das Verhältnis Anmeldung zu Insolvenz verschlechtert sich.

Stat-Callout 4: Die Personalkosten im Gastgewerbe lagen laut Destatis in Q4/2025 rund 39,6 % über dem Vergleichswert Q4/2019. Das ist die größte strukturelle Kostenverschiebung der Branche.

Stat-Callout 5: Die Gastronomie-Preise stiegen laut Destatis zwischen Januar 2022 und Januar 2026 um 28,2 %. Preiserhöhungen wurden teils weitergegeben, dämpfen aber die Nachfrage.

Diese fünf Zahlen sollten dich nicht abschrecken, sondern dazu bringen, deinen Businessplan doppelt konservativ zu rechnen. Wer mit Umsätzen der Boomjahre kalkuliert, eröffnet auf einer Basis, die der Markt 2026 nicht mehr trägt. Tendenziell bedeutet das: höhere Liquiditätspuffer, schmalere Speisekarten, stärkere Digitalisierung zur Kostensenkung, konservativere Umsatzannahmen. Wie Liquiditätssteuerung im Gastgewerbe funktioniert, haben wir im Beitrag Liquidität in der Gastronomie ausführlich beschrieben.

Der Businessplan ist ohnehin der Schlüssel: Banken, KfW und Bürgschaftsbanken erwarten eine konservative Drei-Jahres-Planung mit Best-, Base- und Worst-Case. Tendenziell — und ohne Gewähr — sehen wir in unseren Gesprächen mit Gründer:innen, dass rund 40 bis 60 Prozent der Gründungsprobleme aus einer zu optimistischen Umsatzprognose entstehen. Wie du die Drei-Jahres-Planung und den Finanzplan Schritt für Schritt aufbaust, zeigt unser Leitfaden Businessplan Gastronomie: Vorlage und Finanzplan.

2 · Welche Genehmigungen brauchst du bundesweit?

Unabhängig vom Bundesland gibt es einen Sockel an bundesrechtlichen Pflichten, ohne den kein Restaurant öffnen darf. Die folgende Übersicht ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine behördliche Auskunft, gibt aber eine Orientierung über die wesentlichen Normen.

Bundesrechtliche Pflicht-Übersicht

PflichtBehördeRechtsgrundlageTypisches Timing
GewerbeanmeldungGewerbeamt (Kommune)§ 14 GewOVor Betriebsaufnahme
Gesundheitszeugnis (Erstbelehrung)Gesundheitsamt§ 43 IfSGVor erstem Tag am Lebensmittel
Betriebsanzeige (Lebensmittelunternehmen)Lebensmittelüberwachung (Landkreis/Stadt)§ 42 LFGBVor Betriebsaufnahme
IHK-MitgliedschaftIndustrie- und Handelskammer§ 2 IHK-GAutomatisch mit Gewerbeanmeldung
UnfallversicherungBerufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN)SGB VIIBinnen 1 Woche nach Gründung
Steuerliche ErfassungFinanzamtAO, UStGNach Gewerbeanmeldung, via ELSTER
Kassensystem TSEFinanzamtKassenSichV, § 146a AOAb Tag 1

Zur Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO gehört die Angabe der konkreten Tätigkeit — „Betrieb eines Restaurants mit Alkoholausschank" ist präziser als „Gastronomie". Die Anmeldung kostet je nach Kommune tendenziell zwischen 20 und 65 €.

Das Gesundheitszeugnis nach § 43 IfSG ist keine einmalige Formalie: Jede Person mit Lebensmittelkontakt muss vor Aufnahme der Tätigkeit eine Erstbelehrung beim Gesundheitsamt absolviert haben und die Dokumentation im Betrieb vorhalten. Die interne Folgebelehrung muss mindestens alle zwei Jahre nachweisbar wiederholt werden.

Die Betriebsanzeige nach § 42 LFGB erfolgt unverzüglich vor Betriebsaufnahme bei der zuständigen Lebensmittelüberwachung. Tendenziell ergeben sich Betriebsbesichtigungen (Gesundheitsamt, Lebensmittelüberwachung) in den ersten Wochen nach Eröffnung.

Die IHK-Pflichtmitgliedschaft nach § 2 IHK-G entsteht automatisch; der Beitrag setzt sich aus Grund- und Umlagebeitrag zusammen. Für kleine Betriebe gibt es Freibeträge; Details erfährst du bei deiner zuständigen IHK.

Die BGN ist Pflichtversicherung gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten. Die Beitragsstruktur richtet sich nach Gefahrtarif und Entgeltsumme; als Gründer:in meldest du dich binnen einer Woche bei der BGN.

Die TSE-Pflicht nach KassenSichV gilt ab dem ersten Umsatz — das heißt, du darfst nicht „später upgraden". Wer einen digitalen Gastronomie-Kassensystem-Stack aufsetzt, hat TSE, GoBD-konforme Belegausgabe und DSFinV-K-Export von Tag 1 im Paket. Die juristischen Hintergründe dazu beschreiben wir im Beitrag TSE und KassenSichV im Gastgewerbe.

3 · Was kommt aus dem Landesrecht dazu?

Seit der Föderalismusreform 2006 ist das Gaststättenrecht Ländersache. Jedes Bundesland hat ein eigenes Gaststättengesetz, und die Unterschiede sind nicht kosmetisch — sie betreffen die Kernfrage, ob du eine Gaststättenerlaubnis (Konzession) beantragen musst, unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Nachweisen und mit welchen Sperrzeiten.

Bundesländer-Vergleich (Orientierung, keine Rechtsauskunft)

BundeslandGesetzErlaubnispflicht AlkoholBesonderheit
BayernBayGastGJa, Erlaubnispflicht für AlkoholausschankUnterrichtungsnachweis IHK + Zuverlässigkeitsprüfung
Baden-WürttembergLGastG BWAnzeigepflicht; Erlaubnis bei AlkoholSperrzeit regelmäßig 3:00–6:00, gemeindliche Abweichung möglich
BerlinBerlGastGErlaubnisfrei für viele Fälle; AnzeigepflichtBesonderer Fokus auf Nichtraucherschutz
HamburgHmbGastGAnzeigepflicht; Erlaubnis bei Alkohol/besonderen BetriebenEigene Sperrzeitregelungen, teils lokale Ausnahmen
NRWGastG NRWAnzeigepflicht; Erlaubnis für AusnahmenSperrzeit 1:00–6:00, Ausnahmeanträge möglich

Diese Tabelle ist bewusst grob gehalten und ersetzt keinesfalls eine Anfrage bei der zuständigen Ordnungsbehörde. Gerade bei Alkoholausschank, Außengastronomie, Musikbeschallung, Raucherbereichen und Sperrzeiten entscheiden kommunale Auslegungen. Wir empfehlen dringend, vor Unterzeichnung des Pachtvertrags einen Termin beim Ordnungsamt und der IHK in der konkreten Gemeinde wahrzunehmen — denn bestimmte Lagen (Wohngebiete, Mischgebiete, Denkmalschutz) können auch bei grundsätzlich genehmigungsfähigen Konzepten zu erheblichen Auflagen führen.

Weitere landes- und kommunalrechtliche Themen, die bei der Eröffnung eine Rolle spielen: Baurechtliche Nutzungsänderung, Brandschutzauflagen, Lüftungsplanung, Abfallwirtschaftssatzung, Sondernutzungserlaubnis für Außenbestuhlung, Immissionsschutzrecht bei Live-Musik. Wer in einer innerstädtischen Lage eröffnet, wird tendenziell mit mehr Auflagen konfrontiert sein als bei einer Gewerbeflächenlage.

Weiterführend zum Thema Standort, Pacht und Miete empfehlen wir die Beiträge Miete oder Pacht in der Gastronomie und Pachtkalkulation korrekt durchführen. Die Lage entscheidet über Pachthöhe, Nachbarschaftsprofil und genau diese Auflagen — und beeinflusst am Ende die Finanzierbarkeit. Mehr zum Hintergrund unserer Arbeit mit Gründer:innen findest du auf Über uns.

4 · Welche Unternehmensform passt — und warum wir keine empfehlen

Hier müssen wir besonders vorsichtig formulieren: Die Wahl der Unternehmensform hat steuerliche, haftungsrechtliche, bilanzielle und gewerberechtliche Konsequenzen, die individuell unterschiedlich wirken. Wir stellen die vier gängigsten Formen neutral dar — eine Empfehlung sprechen wir ausdrücklich nicht aus. Das gehört in ein Gespräch mit Steuerberater:in und Fachanwalt/Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht.

Einzelunternehmen: Gründung ohne Mindestkapital, aber volle persönliche Haftung mit dem Privatvermögen. Buchführung bei Kleinbetrieben oft vereinfacht als Einnahmenüberschussrechnung. Gewerbesteuer entsteht ab Freibetrag. Tendenziell für kleinere, von einer Person geführte Betriebe in Betracht zu ziehen — aber die Haftungsthematik erfordert Versicherungen.

GbR: Mehrere natürliche Personen führen den Betrieb gemeinsam; Haftung auch hier persönlich und gesamtschuldnerisch. Ein sauberer Gesellschaftsvertrag ist wesentlich — Fachanwalt-Verweis.

UG (haftungsbeschränkt): Gründung ab 1 € Stammkapital möglich, Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt, Thesaurierungspflicht bis zur Umwandlung in eine GmbH. Sie ist eine Sonderform der GmbH mit erhöhten formalen Pflichten.

GmbH: Mindeststammkapital 25.000 € (davon mindestens die Hälfte bei Gründung eingezahlt), Haftung grundsätzlich beschränkt, notarielle Gründung, doppelte Buchführung, Jahresabschluss. Tendenziell bei größeren Vorhaben und externen Gesellschafterstrukturen in Betracht zu ziehen.

Zu jeder Form gibt es zudem steuerliche Detailthemen wie verdeckte Gewinnausschüttung, Geschäftsführer-Gehalt, steuerliche Einheitsbetrachtung und Sozialversicherungspflicht des geschäftsführenden Gesellschafters. Diese Themen sind Rechts- und Steuerberatung im engeren Sinne — bitte kläre sie mit Fachleuten, bevor du den Notartermin vereinbarst. Die IHK-Gründungsberatung bietet für den Einstieg neutrale Orientierungsgespräche an; Fachanwaltliche und steuerberatende Beratung ist dann der nächste Schritt.

„Die richtige Unternehmensform existiert nicht als Formel — sie ergibt sich aus Haftungsneigung, Steuerlage, Investorenstruktur und Wachstumsplan. Wer sie in einer Gründerlounge 'schnell entscheidet', zahlt später dreifach: über Steuern, Gebühren und Umwandlungskosten."

5 · Startkapital: Welche Range ist realistisch?

Die nächste heikle Frage. Wir geben Orientierungswerte, die wir in DEHOGA-Gründungsleitfäden und in unserer eigenen Gesprächserfahrung mit Gründer:innen sehen. Diese Werte sind keine Garantien, keine verbindlichen Kalkulationen und kein Ersatz für eine konzeptspezifische Planung mit Steuerberater:in und Bank.

Startkapital-Richtwerte nach Konzept (Orientierung)

KonzeptRange StartkapitalTypische Kostentreiber
Bistro/Café klein (bis ca. 40 Plätze)50.000–80.000 €Einbauküche, Ladenbau, Kaffeemaschine, Kaution
Pizzeria/Burger-Restaurant (60–80 Plätze)80.000–150.000 €Pizzaofen/Grill, Lüftung, Fettabscheider, POS
Vollrestaurant mittel (80–120 Plätze)120.000–200.000 €Profi-Küche, Kühlung, Einrichtung, Marketing
Fine Dining/Premium200.000–400.000 €+Edel-Ausstattung, Architekt, lange Anlaufphase

Zu den klassischen Kostentreibern gehören: Umbau und Nutzungsänderung (Baugenehmigung, Brandschutz, Lüftung), Küchentechnik, Kühl- und Lagertechnik, Einrichtung (Stühle, Tische, Bestecksätze, Gläser), Kaution (meist drei Monatsmieten), Warenerstausstattung, Marketing, Liquiditätsreserve für drei bis sechs Monate, Kassensystem mit TSE, POS-Hardware und Beratung (Steuerberater, Fachanwalt, Architekt).

Insbesondere die Liquiditätsreserve wird oft unterschätzt. Banken erwarten tendenziell eine Reserve, die drei bis sechs Monate den laufenden Betrieb trägt, wenn die Umsätze hinter Plan bleiben. Für die Finanzierung solltest du KfW ERP-Gründerkredit (bis 125.000 € Klassik, darüber ERP-Gründerkredit Universell) und Bürgschaftsbank deines Bundeslandes als Ergänzung zum Hausbank-Darlehen kennen. Die konkreten Konditionen variieren; die aktuellen Zinssätze findest du auf der Website der KfW.

Eine eigene Budget-Linie solltest du für die Warenkostenplanung reservieren: Lies dazu unseren Beitrag Food-Cost korrekt kalkulieren — die meisten Betriebe verfehlen den Wareneinsatz-Zielkorridor in den ersten drei Monaten deutlich.

6 · Die 12-Schritte-Gründungs-Roadmap

Chronologie zählt — die folgende Roadmap ist unsere Arbeitsvorlage aus Gründungsgesprächen. Sie ersetzt keinen individuellen Projektplan, gibt aber eine robuste Sequenz.

Action-Checklist: Vom Konzept zur Eröffnung

  1. Monat −12 bis −9 · Konzept, Markt- und Standortanalyse. Zielgruppe, Speisekarte, Preisniveau, erste Lagensondierung, Wettbewerbskartierung.
  2. Monat −9 · IHK-Gründungsberatung. Kostenloser Erstkontakt; Prüfung des Businessplans. IHK-Pflichtmitgliedschaft nach § 2 IHK-G wird später aktiviert.
  3. Monat −9 bis −7 · Businessplan und Kalkulation. Drei-Jahres-Planung, Umsatz, Wareneinsatz, Personal, Pacht, Deckungsbeitrag. Steuerberater einbinden.
  4. Monat −7 · Unternehmensform wählen. Gespräch mit Steuerberater:in und Fachanwalt/Fachanwältin. Notartermin planen, wenn UG/GmbH.
  5. Monat −6 · Finanzierung sichern. Hausbank, KfW ERP-Gründerkredit, Bürgschaftsbank, ggf. Förderprogramme des Bundeslandes.
  6. Monat −5 bis −4 · Standort und Pachtvertrag. Vor Unterschrift: Ordnungsamt, Bauamt und IHK konsultieren wegen Nutzungsänderung, Brandschutz, Gaststättenerlaubnis. Details zur Pachtthematik in unserem Beitrag Pachtkalkulation.
  7. Monat −4 · Behördengänge starten. Gewerbeanmeldung § 14 GewO, Gaststättenerlaubnis nach Landes-GastG, Bauantrag Nutzungsänderung, Betriebsanzeige § 42 LFGB.
  8. Monat −4 bis −2 · Umbau und Ausstattung. Handwerker, Küchenplanung, Lüftung, Fettabscheider, Lagerplanung, Einrichtung.
  9. Monat −3 · Technik und Kassensystem. Digitales Kassensystem mit TSE und GoBD installieren, Online-Bestellshop vorbereiten — Direktverkauf ab Tag 1 spart Plattform-Provisionen. Wer Digitalisierung als Ganzes plant, findet in unserem Restaurant-Lösungspaket den integrierten Stack.
  10. Monat −2 · Personal einstellen. Arbeitsverträge nach AGG und MiLoG konform. Siehe Personal im Gastgewerbe finden und Mindestlohn 2026.
  11. Monat −1 · Gesundheitszeugnis, BGN-Anmeldung, Versicherungen. § 43 IfSG-Belehrung für alle Mitarbeiter:innen, BGN-Anmeldung binnen einer Woche, Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Ertragsausfall.
  12. Monat 0 · Soft-Opening, Abnahmetermine, Eröffnung. Lebensmittelkontrolle, Gesundheitsamt, Feuerwehr-Abnahme (nach Bundesland), Testlauf mit Freunden und Familie, danach offizielle Eröffnung.

Wir empfehlen, diese Roadmap gemeinsam mit deiner Steuerberaterin oder deinem Steuerberater und einer Gründungsberatung der IHK durchzugehen, bevor du den ersten Vertrag unterschreibst. Dasselbe Prinzip gilt für die rechtliche Seite: Ein Fachanwalt oder eine Fachanwältin für Handelsrecht prüft Pacht-, Franchise- und Lieferverträge, bevor sie Unterschriften erhalten. Unsere Haltung dazu findest du auch auf Über uns.

Weitere Cluster-Beiträge, die zur Gründung gehören: Jugendschutz im Gastgewerbe, Mehrwertsteuer Speisen 7 %, AGG und Bewerbungsgespräche.

7 · Finanzieller Impact: Beispiel-Kalkulation Pizzeria

Als Veranschaulichung — und ausdrücklich nur als Orientierung — eine vereinfachte Modellrechnung für eine Pizzeria mit 70 Plätzen in einer deutschen Mittelstadt. Alle Zahlen sind Annahmen zur Illustration und nicht auf einen konkreten Standort übertragbar.

PositionOrientierungswert
Umbau/Nutzungsänderung25.000 €
Küchenausstattung (Pizzaofen, Kühlung, Lüftung)40.000 €
Einrichtung (Mobiliar, Geschirr, Gläser)18.000 €
Kassensystem mit TSE + POS-Hardware4.000 €
Kaution (3 Monatsmieten)9.000 €
Warenerstausstattung6.000 €
Marketing (Eröffnung + erste 3 Monate)7.000 €
Beratung (Steuerberater, Fachanwalt)4.000 €
Liquiditätsreserve (3 Monate)25.000 €
Summe (Orientierung)138.000 €

Diese 138.000 € liegen im oberen Rand unseres Pizzeria-Korridors (80.000–150.000 €). Die tatsächliche Summe hängt von Standort, Zustand der Immobilie, Lieferantenpreisen, Lohnniveau und Finanzierungsstruktur ab. Für die Finanzierungsseite ist die Eigenkapitalquote eine Schlüsselgröße: Tendenziell erwarten Banken zwischen 20 und 30 Prozent Eigenkapital — das variiert je nach Bonität, Konzept und Förderlage. Kläre mit deiner Hausbank und der Bürgschaftsbank deines Bundeslandes, welche Struktur für dein Vorhaben tragfähig ist.

8 · FAQ

1. Brauche ich eine Gaststättenerlaubnis?

Das hängt vom Bundesland und von der Frage ab, ob du Alkohol ausschenkst. Einige Länder (z. B. Berlin) arbeiten mit Anzeigepflicht statt Erlaubnis, andere (z. B. Bayern) verlangen eine Erlaubnis für Alkoholausschank mit Zuverlässigkeitsprüfung und Unterrichtungsnachweis. Bitte prüfe das jeweilige Landes-GastG deines Bundeslandes.

2. Was kostet die Gewerbeanmeldung?

Die Gebühr liegt tendenziell zwischen 20 und 65 €, kommunal unterschiedlich. Die Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO ist Pflicht vor Betriebsaufnahme.

3. Welches Mindestkapital brauche ich?

Das hängt von der Unternehmensform ab. Einzelunternehmen und GbR haben kein Mindestkapital, UG ab 1 €, GmbH 25.000 € (halbierte Einzahlung bei Gründung möglich). Die Wahl treffen Steuerberater:in und Fachanwalt/Fachanwältin gemeinsam mit dir.

4. Ist die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) für mich sinnvoll?

Das ist eine steuerliche Einzelfallentscheidung. Die Grenze wurde für 2025 auf 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € laufendes Jahr angehoben. Für viele Restaurants ist sie praktisch nicht anwendbar, weil die Umsatzschwelle schnell überschritten wird. Bitte kläre das mit Steuerberater:in.

5. Wie läuft die Umsatzsteuer 2026 in der Gastronomie?

Nach BGBl 2025 I Nr. 363 gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % auf Speisen dauerhaft. Getränke bleiben bei 19 %. Mehr dazu in unserem Beitrag Mehrwertsteuer Speisen 7 %.

6. Muss ich sofort ein TSE-Kassensystem haben?

Ja, wenn du ein elektronisches Kassensystem einsetzt: Nach KassenSichV und § 146a AO gilt die TSE-Pflicht dann ab dem ersten Umsatz. Wer ohne TSE startet, riskiert Beanstandungen bei Kassen-Nachschau. Unser Kassensystem-Paket liefert TSE, GoBD und DSFinV-K-Export integriert.

7. Was passiert bei der Betriebsanzeige nach § 42 LFGB?

Du meldest den Betrieb bei der zuständigen Lebensmittelüberwachung an, damit eine Registrierung und Kontrollplanung erfolgen kann. In den ersten Wochen ist tendenziell mit einer Routinekontrolle zu rechnen.

8. Welche Versicherungen sind Pflicht, welche empfehlenswert?

Pflicht: Unfallversicherung über BGN. Empfehlenswert (aber nicht gesetzlich verpflichtend): Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Ertragsausfallversicherung, Rechtsschutz. Details bespricht ein Versicherungsmakler.

9. Muss ich jede:n Mitarbeiter:in zum Gesundheitsamt schicken?

Ja, nach § 43 IfSG brauchen alle Personen mit Lebensmittelkontakt eine Erstbelehrung beim Gesundheitsamt. Die Folgebelehrung mindestens alle zwei Jahre führst du intern durch; Dokumentation ist Pflicht.

10. Gilt der gesetzliche Mindestlohn auch für meine Auszubildenden?

Der gesetzliche Mindestlohn nach MiLoG gilt für Arbeitnehmer:innen ab 18. Auszubildende fallen unter das BBiG (Mindestausbildungsvergütung). Siehe unseren Beitrag Mindestlohn 2026 in der Gastronomie.

11. Welche Förderprogramme gibt es für Gastronomie-Gründer:innen?

Bundesweit: KfW ERP-Gründerkredit Klassik (bis 125.000 €) und Universell (darüber). Landesweit: Bürgschaftsbanken und landeseigene Förderbanken. Kommunal: Gründungszuschüsse und beratende Programme. Die IHK-Gründungsberatung hilft bei der Übersicht.

12. Wie finde ich Personal in einem angespannten Markt?

Personalmangel ist strukturell. Zu den Hebeln gehören klare Arbeitszeitmodelle, faire Dienstpläne, transparente Trinkgeldregelung, moderne Digitaltools und professionelle Bewerbungsprozesse — AGG-konform. Siehe Personal im Gastgewerbe finden.

13. Brauche ich einen Hygieneschulungsplan (HACCP)?

Ja. HACCP-Grundsätze nach Verordnung (EG) Nr. 852/2004 sind für Lebensmittelunternehmen verpflichtend. Die konkrete Umsetzung hängt vom Betrieb ab; Schulung und Dokumentation sind zentral. Ein Hygienekonzept gehört zu den Unterlagen, die die Lebensmittelüberwachung bei Kontrollen prüft.

14. Wie lange dauert eine Restaurantgründung realistisch?

In unseren Gesprächen sehen wir tendenziell sechs bis zwölf Monate zwischen Konzeptentscheidung und Eröffnung — vorausgesetzt, Finanzierung und Standort stehen früh. Wer Bauantrag und Nutzungsänderung unterschätzt, verlängert sich schnell auf 15 bis 18 Monate.

15. Was ist der häufigste Fehler bei Gastronomie-Gründungen?

Aus unserer Beobachtung und aus DEHOGA-Beratungsunterlagen: zu optimistische Umsatzprognose, zu dünner Liquiditätspuffer, zu späte Behördenabstimmung und unklare Unternehmensform-Entscheidung. Alle vier lassen sich durch frühe professionelle Beratung entschärfen.

9 · Bewertungen echter Gastronom:innen

„Ohne die saubere Vorarbeit von Gewerbeamt, Bauamt und IHK hätten wir unsere Eröffnung um Monate verschoben. Die digitale Kasse mit TSE lief ab Tag 1 — genau so muss das sein." — Inhaber eines Trattoria-Konzepts, Bayern

„Als wir die Umsatzplanung mit der Steuerberaterin ehrlich gerechnet haben, mussten wir unser Konzept anpassen. Diese Ehrlichkeit am Anfang hat uns die Insolvenz erspart." — Pizzeria-Gründerin, Baden-Württemberg

Weitere Bewertungen findest du auf unseren Google-Reviews sowie im Kundenbereich auf Über uns.

10 · Schlusswort: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt — wenn du konservativ rechnest

2026 zu gründen ist nicht einfacher als 2019. Es ist anspruchsvoller — und die Zahlen von Destatis machen das deutlich. Trotzdem haben im Jahr 2025 über 33.500 Menschen genau diesen Schritt gegangen, und viele werden tragfähige Betriebe aufbauen. Der Unterschied zwischen den Tragfähigen und den 2.314 Insolvenzen liegt selten am „besseren Konzept" allein — er liegt an konservativer Kalkulation, sauberer Behördenabstimmung, professioneller Beratung und einem Digitalisierungsgrad, der zur Branche 2026 passt.

Wir begleiten Gründer:innen bei der Technik-Seite dieses Wegs — vom TSE-Kassensystem über den Online-Bestellshop bis zur integrierten Bestellannahme. Die juristische, steuerliche und konzeptionelle Seite bleibt bei IHK, Steuerberater:in und Fachanwalt/Fachanwältin — bewusst. Wenn du Fragen zur Technik oder zur Integration hast, erreichst du uns über Kontakt. Mehr zu unserer Arbeitsweise und unserer Haltung gegenüber Gründer:innen findest du auf Über uns.

Viel Erfolg beim Eröffnen — und plane genug Puffer ein, um die ersten zwei Jahre ruhig arbeiten zu können.