Maximale Arbeitszeit Gastronomie 2026: Was §3 ArbZG erlaubt (und die Ausnahmen)

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Lange Abende, volle Wochenenden, dünne Personaldecke — in der Gastronomie ist die Versuchung groß, Mitarbeiter länger arbeiten zu lassen. Doch das…

Maximale Arbeitszeit Gastronomie 2026 (§3 ArbZG): Die gesetzliche Höchstarbeitszeit beträgt 8 Stunden pro Tag — darf aber auf 10 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten der Durchschnitt von 8 Stunden nicht überschritten wird. In der Gastronomie nutzen viele Betriebe diese Ausnahme regelmäßig. Dazu kommt: Die Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zwischen zwei Schichten ist unbedingt einzuhalten.

Lange Abende, volle Wochenenden, dünne Personaldecke — in der Gastronomie ist die Versuchung groß, Mitarbeiter länger arbeiten zu lassen. Doch das Arbeitszeitgesetz setzt klare Grenzen. Wer sie überschreitet, riskiert hohe Bußgelder und ein überlastetes Team. Dieser Ratgeber erklärt dir, wie viele Stunden erlaubt sind, wann die 10-Stunden-Ausnahme greift und worauf du bei Nacht- und Saisonarbeit achten musst.

Die gesetzliche Höchstarbeitszeit — was §3 ArbZG sagt

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) regelt, wie lange am Tag gearbeitet werden darf. Diese Tabelle zeigt die wichtigsten Werte:

Regelung Stunden Bedingung
Normalarbeitszeit 8 h/Tag § 3 ArbZG Satz 1
Verlängerung erlaubt bis 10 h/Tag Ausgleich in 6 Monaten
Wochenarbeitszeit (max.) 48 h Im 6-Monats-Schnitt
Ruhezeit mind. 11 h § 5 ArbZG — unbedingt!
Ruhezeit Jugendliche mind. 12 h JArbSchG

Die Grundregel: 8 Stunden pro Werktag. Da das Gesetz von einer 6-Tage-Woche ausgeht, ergibt das eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden. Kurzfristig sind mehr Stunden möglich, aber im Schnitt von sechs Monaten muss die Grenze eingehalten werden. Die 11 Stunden Ruhezeit zwischen zwei Schichten sind dabei die Grenze, die am häufigsten übersehen wird.

Die 10-Stunden-Ausnahme — wie das in der Gastronomie funktioniert

§ 3 Satz 2 ArbZG erlaubt, die tägliche Arbeitszeit auf bis zu 10 Stunden zu verlängern — unter einer Bedingung: Im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten darf die Arbeitszeit wieder bei 8 Stunden pro Tag liegen.

Für die Gastronomie ist das die praktisch wichtigste Regel:

  • Ausgleich schaffen: An Samstag und Sonntag sind oft 10-Stunden-Schichten nötig. Zum Ausgleich werden Montag und Dienstag kürzer geplant, damit der Durchschnitt stimmt.
  • Dokumentationspflicht (§ 16 ArbZG): Du musst die Arbeitszeit erfassen. Nach dem EuGH-Urteil von 2019 und dem BAG-Urteil von 2022 ist eine Zeiterfassung Pflicht — nicht nur für Überstunden.
  • Tarifvertrag (§ 7 ArbZG): Ein Tarifvertrag kann noch mehr erlauben. Bist du an einen DEHOGA-Tarifvertrag gebunden, prüfe die dortigen Regelungen.
  • Die Falle: Ohne Dokumentation ist selbst erlaubte Mehrarbeit bei einer Kontrolle ein Problem. Du kannst dann nicht nachweisen, dass der Durchschnitt eingehalten wurde.

Wer die Schichten sauber in eine Personalplanung & Dienstplan einträgt, hat den Ausgleich automatisch im Blick.

Nachtschicht-Gastronomie — besondere Regeln

Für Nachtarbeit gelten strengere Regeln, weil sie die Gesundheit stärker belastet.

  • Wer ist Nachtarbeitnehmer? Wer mindestens 3 Stunden zwischen 23 und 6 Uhr arbeitet, gilt als Nachtarbeitnehmer (§ 6 ArbZG).
  • Nur 8 Stunden im Schnitt: Nachtarbeitnehmer dürfen im Durchschnitt nur 8 Stunden pro Tag arbeiten. Die 10-Stunden-Ausnahme ist hier enger.
  • Gesundheitsuntersuchung: Nachtarbeitnehmer haben Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Untersuchung (§ 6 Abs. 3 ArbZG).
  • Ruhezeit beachten: Endet die Abendschicht um 1 Uhr nachts, darf die nächste Schicht frühestens um 12 Uhr mittags beginnen.

Für die Nachtarbeit fällt außerdem oft ein Zuschlag an. Wie der berechnet wird, erklärt der Beitrag zum Nachtzuschlag und zur Nachtarbeit.

Saisonbetriebe und Ausnahmen (§7 ArbZG)

In Betrieben mit starken Saisonspitzen — etwa Tourismushotels oder Skihütten — sind längere Arbeitszeiten möglich, aber nur unter klaren Voraussetzungen.

  • Tarifliche Öffnung (§ 7 ArbZG): Ein Tarifvertrag kann bei saisonaler Häufung Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden pro Tag erlauben.
  • Tourismusregionen: Hotels und Gastronomie in Urlaubsgebieten nutzen solche Tarifausnahmen häufig.
  • Kurzfristige Beschäftigung (max. 70 Tage/Jahr): Auch hier sind je nach Tarif gelockerte Regelungen möglich.
  • Dokumentation gilt immer: Egal welche Ausnahme greift — die Pflicht zur Zeiterfassung bleibt bestehen. Ohne Nachweis nützt dir die beste Ausnahmeregelung nichts.

Wichtig: Ohne Tarifbindung gelten für dich die normalen Grenzen. Die 12-Stunden-Regel ist kein allgemeines Recht, sondern an einen Tarifvertrag geknüpft.

Überstunden in der Gastronomie — was gilt?

Überstunden sind in der Gastronomie an der Tagesordnung. Wichtig ist, dass sie sich trotzdem im gesetzlichen Rahmen bewegen und fair ausgeglichen werden.

  • Innerhalb der Höchstgrenzen: Auch Überstunden dürfen die 10-Stunden-Grenze pro Tag und den 48-Stunden-Schnitt pro Woche nicht sprengen. Die Höchstarbeitszeit gilt immer, egal ob geplante Schicht oder spontane Überstunde.
  • Ausgleich oder Bezahlung: Ob Überstunden bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden, regelt der Arbeitsvertrag. Eine pauschale Klausel „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten" ist nur in engen Grenzen und meist nur für wenige Stunden zulässig.
  • Mindestlohn beachten: Jede geleistete Stunde — auch die Überstunde — muss mindestens mit dem Mindestlohn von 13,90 € vergütet werden.
  • Dokumentation: Überstunden müssen erfasst werden. Ohne Nachweis lässt sich später weder der Ausgleich noch die Bezahlung sauber klären.

Wer Überstunden dauerhaft braucht, hat meist zu wenig Personal. Auf Dauer ist es günstiger, zusätzliche Aushilfen einzuplanen, als das Stammteam zu überlasten.

Arbeitszeitkonto — Plus- und Minusstunden fair regeln

Ein Arbeitszeitkonto hilft, die Schwankungen in der Gastronomie auszugleichen. In starken Wochen sammeln sich Plusstunden an, in ruhigen Zeiten werden sie wieder abgebaut.

  • So funktioniert es: Jede Stunde über der vereinbarten Arbeitszeit kommt aufs Plus-Konto, jede Stunde darunter aufs Minus-Konto. Über einen festgelegten Zeitraum soll das Konto ausgeglichen sein.
  • Klare Regeln: Lege schriftlich fest, wie viele Plus- und Minusstunden erlaubt sind und in welchem Zeitraum sie ausgeglichen werden müssen.
  • Grenzen des ArbZG: Auch mit Arbeitszeitkonto gelten die Höchstarbeitszeit und die Ruhezeiten. Das Konto verschiebt Stunden, hebt die Grenzen aber nicht auf.
  • Transparenz: Jeder Mitarbeiter sollte seinen Kontostand jederzeit einsehen können. Das schafft Vertrauen und verhindert Streit.

Ein sauber geführtes Arbeitszeitkonto ist gerade in Saisonbetrieben ein faires Werkzeug — für dich planbar, für dein Team nachvollziehbar.

Was kostet ein Verstoß? (§25 ArbZG)

Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz sind kein Kavaliersdelikt. Die Behörden kontrollieren die Gastronomie gezielt.

  • Bußgeld bis 15.000 € pro Verstoß. Jeder betroffene Mitarbeiter und jeder Tag kann einzeln gezählt werden.
  • Strafrechtliche Folgen: Bei beharrlichen Wiederholungen oder vorsätzlicher Gefährdung der Gesundheit drohen strafrechtliche Konsequenzen (§ 23 ArbZG).
  • Kontrolle der Unterlagen: Die Arbeitsschutzbehörde und der Zoll prüfen die Zeiterfassung. Fehlende oder lückenhafte Aufzeichnungen fallen sofort auf.
  • Dein Schutz: Eine saubere, am besten digitale Zeiterfassung dokumentiert Arbeits-, Pausen- und Ruhezeiten automatisch — und ist dein bester Nachweis bei einer Kontrolle.

Die häufigsten Fehler bei der Arbeitszeit in der Gastro

Bei der Arbeitszeit passieren in der Gastronomie immer wieder dieselben Fehler — oft aus Zeitdruck, nicht aus Absicht:

  1. Ruhezeit übersehen — die Abendschicht endet spät, die Frühschicht beginnt zu früh. Die 11 Stunden Ruhezeit werden gerissen. Das ist der häufigste Verstoß überhaupt.
  2. 10-Stunden-Grenze dauerhaft ausgereizt — ohne Ausgleich in sechs Monaten ist das unzulässig.
  3. Keine Zeiterfassung — seit dem BAG-Urteil von 2022 Pflicht. Fehlt sie, ist auch erlaubte Mehrarbeit bei einer Kontrolle ein Problem.
  4. Nachtarbeit wie Tagarbeit geplant — für Nachtarbeitnehmer gelten engere Grenzen und ein Anspruch auf Gesundheitsuntersuchung.
  5. 12-Stunden-Regel ohne Tarifbindung genutzt — die gilt nur mit Tarifvertrag, nicht allgemein.

Der einfachste Schutz vor all diesen Fehlern ist eine digitale Zeiterfassung, die Arbeits-, Pausen- und Ruhezeiten automatisch prüft und Verstöße sofort anzeigt.

Häufige Fragen zur maximalen Arbeitszeit in der Gastronomie

Wie viele Stunden darf ich als Restaurantbetreiber meine Mitarbeiter maximal einplanen?

Grundsätzlich 8 Stunden pro Tag, in der Spitze bis zu 10 Stunden. Die 10 Stunden sind aber nur erlaubt, wenn im Durchschnitt von sechs Monaten wieder 8 Stunden pro Tag erreicht werden. Über das Jahr gerechnet liegt die Grenze bei durchschnittlich 48 Stunden pro Woche.

Darf ich in der Gastronomie 10 Stunden am Tag verlangen?

Ja, aber nur mit Ausgleich. Nach einer 10-Stunden-Schicht müssen andere Tage kürzer sein, damit der Sechs-Monats-Durchschnitt bei 8 Stunden bleibt. Dauerhaft 10 Stunden ohne Ausgleich sind unzulässig und können teuer werden.

Was gilt für die Ruhezeit zwischen zwei Schichten in der Gastronomie?

Zwischen dem Ende einer Schicht und dem Beginn der nächsten müssen mindestens 11 zusammenhängende Stunden liegen (§ 5 ArbZG). Wer um 1 Uhr nachts Feierabend hat, darf frühestens um 12 Uhr mittags wieder anfangen. Für Jugendliche sind es sogar 12 Stunden.

Welche Strafen drohen bei Überschreitung der Arbeitszeit?

Pro Verstoß sind Bußgelder bis zu 15.000 € möglich (§ 25 ArbZG). Bei wiederholten oder vorsätzlichen Verstößen drohen sogar strafrechtliche Konsequenzen. Die Behörden prüfen dabei vor allem die Zeiterfassungsunterlagen.

Gelten besondere Regeln für Aushilfen und Saisonkräfte?

Für Aushilfen und Minijobber gelten dieselben Höchstgrenzen wie für alle anderen. In echten Saisonbetrieben kann ein Tarifvertrag längere Zeiten von bis zu 12 Stunden erlauben. Ohne Tarifbindung bleibt es aber bei den normalen 8 bis 10 Stunden.


Arbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten gleichzeitig im Blick zu behalten, ist mit einem Papier-Dienstplan kaum zu schaffen — und die Zeiterfassung ist ohnehin Pflicht. Mit der Personalplanung und Zeiterfassung von Gastro Master siehst du sofort, wenn eine Schicht die Höchstzeit reißt oder die Ruhezeit zu kurz wird. So planst du rechtssicher und hast bei jeder Kontrolle den Nachweis parat. Achte zusätzlich auf die richtigen Pausenzeiten in der Gastronomie und die Sonntagszuschläge und SFN-Zuschläge.